Unter den Seglern
Erst einmal vielen Dank fuer eure lieben Gruesse und Gedanken! Ich habe erst seit Kurzem wieder einen Handyempfang und sitze erstmalig wieder an einem Computer. Es geht mir gut, soviel vorweg, und ich werde versuchen, davon zu berichten, was mir passiert ist.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich nicht die leisesten Erwartungen hatte. Saint Malo ist wirklich ein suesser Ort gewesen und ich habe meine Spaziergaenge dort sehr genossen. Nun wollte ich mich auf den Weg in den Sueden machen und hatte eigentlich vorgehabt, mit meinem Rucksack zum Bahnhof zu gehen. Statt dessen machte ich aber noch einen kleinen Abstecher an den Hafen, um mir die Schiffe anzusehen. Beispielsweise lag dort die Rara Avis vor Anker, ein 37 Meter langes, dreimastiges Segelschiff mit junger Besatzung, von denen mich einige an Deck einluden, mir das Schiff anzusehen. Also kletterte ich spontan an Bord und bekam Kojen, Maschinenraum, Kueche, Taue und Segel gezeigt. Nebenbei: Ganz offensichtlich sind Schiffe maennliche Konstruktionen! Alles, jede Schraube, jedes Seil, jeder noch so kleine Gegenstand hat eine praktische Funktion. Nichts, aber auch gar nichts an Bord ist einfach nur da, weil es huebsch ist! Aber das nur nebenbei.
Ich erfuhr, dass die Rara Avis ein Schulschiff war und der Grossteil der Besatzung an Bord war, um das Segeln zu lernen. Urspruenglich war das Schiff eine Resozialisierungsmoeglichkeit fuer kriminelle Jugendliche, aber mittlerweile durften auch bereits sozialisierte Menschen mitfahren ;-) Und weil die Geschichten so interessant waren und ich nichts Besseres zu tun hatte, blieb ich zum Mittagessen. Und zum Abendessen. Und anschliessend auf einen Besuch in einer Bar. Und als dann irgendwann der Kapitaen an Bord kam und um Erlaubnis gefragt war, lief ich am naechsten Tag mit aus. Ganz ploetzlich hatte ich eine Koje an Bord (eine "grosse", ganz fuer mich allein! Weil ich ein Maedchen bin *g*) und war auf dem Weg zu den bretagnischen Inseln. Und von dort aus dann weiter nach Aber Wrach (bei Brest) in den Heimathafen. Zwar wollte ich urspruenglich in den Sueden, aber das spielte eigentlich keine Rolle.
Beeindruckend waren wirklich die Menschen an Bord! Die Besatzung bestand aus etwa 12 Personen, mit mir drei Frauen. Ausserdem hatten wir Passagiere an Bord (ja, normalerweise muss man fuer die Ueberfahrten bezahlen, aber ich war eingeladen), die das Schiff aber nach zwei Tagen wieder verliessen. Tja, und so wurde ich zur Seglerin, half wo ich konnte und durfte sogar fuer zwei, drei Stunden ans Ruder. Eigentlich ist das Steuern selbst ueberraschend einfach: Ruder, Kompass und eine Anzeige fuer den eingeschlagenen Winkel sind alles, was es zu beachten galt. Zumindest abseits von Felsen und unter Kontrolle des Radars natuerlich.
Ich bin auf diesem Schiff unglaublich offen und freundlich aufgenommen worden. Das ist etwas sehr besonderes fuer mich gewesen, weil diese Menschen mir zwar einerseits fremd waren, wir andererseits aber viel Zeit und wenig Raum miteinander geteilt haben. Der Grundsatz lautete, dass jeder sein konnte wie er wollte, dass niemand verppflichtet war, etwas zu tun oder zu lassen, dass es keine klare Hierarchie gab oder Prinzipien, dass aber schlussendlich alle durch die gemeinsame Aufgabe miteinander verbunden waren, ein Schiff zu navigieren. Egal wie verrueckt jeder Einzelne auch sein mochte, im Notfall war auf jeden Verlass! Dieser "Geist" hat mich sehr fasziniert und mir ein Zugehoerigkeitsgefuehl vermittelt, das mir neu war. Schliesslich stellt die Sprache etwas wie meine "Behinderung" dar, doch ich habe erfahren, dass fuer Verstaendnis nur wenige Worte noetig sind.
Umso schwerer fiel mir der Abschied gestern. Die Rara Avis liegt nun in Aber Wrach und wird ueberholt. Konkret bedeutet das viel, viel harte Arbeit, denn das Schiff wird foermlich auseinander genommen, repariert, abgeschliffen (per Hand!), lackiert und gestrichen, Oel wird gewechselt, der Motor repariert, Segel geflickt, Balken ausgetauscht und so weiter... Seltsamerweise macht diese Arbeit aber Spass, weil alle mit anpacken und man am Ende ein frisches und schoenes Schiff hat, mit dem man erneut in See stechen kann.
Ich fuer meinen Teil habe mich wieder in einen Zug gesetzt und bin gestern Abend in Bordeaux angekommen. Meine Reise geht schliesslich weiter. Aber diese paar Tage an Bord gehoeren zweifellos zu den grossartigsten Dingen, die ich je erlebt habe...
Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich nicht die leisesten Erwartungen hatte. Saint Malo ist wirklich ein suesser Ort gewesen und ich habe meine Spaziergaenge dort sehr genossen. Nun wollte ich mich auf den Weg in den Sueden machen und hatte eigentlich vorgehabt, mit meinem Rucksack zum Bahnhof zu gehen. Statt dessen machte ich aber noch einen kleinen Abstecher an den Hafen, um mir die Schiffe anzusehen. Beispielsweise lag dort die Rara Avis vor Anker, ein 37 Meter langes, dreimastiges Segelschiff mit junger Besatzung, von denen mich einige an Deck einluden, mir das Schiff anzusehen. Also kletterte ich spontan an Bord und bekam Kojen, Maschinenraum, Kueche, Taue und Segel gezeigt. Nebenbei: Ganz offensichtlich sind Schiffe maennliche Konstruktionen! Alles, jede Schraube, jedes Seil, jeder noch so kleine Gegenstand hat eine praktische Funktion. Nichts, aber auch gar nichts an Bord ist einfach nur da, weil es huebsch ist! Aber das nur nebenbei.
Ich erfuhr, dass die Rara Avis ein Schulschiff war und der Grossteil der Besatzung an Bord war, um das Segeln zu lernen. Urspruenglich war das Schiff eine Resozialisierungsmoeglichkeit fuer kriminelle Jugendliche, aber mittlerweile durften auch bereits sozialisierte Menschen mitfahren ;-) Und weil die Geschichten so interessant waren und ich nichts Besseres zu tun hatte, blieb ich zum Mittagessen. Und zum Abendessen. Und anschliessend auf einen Besuch in einer Bar. Und als dann irgendwann der Kapitaen an Bord kam und um Erlaubnis gefragt war, lief ich am naechsten Tag mit aus. Ganz ploetzlich hatte ich eine Koje an Bord (eine "grosse", ganz fuer mich allein! Weil ich ein Maedchen bin *g*) und war auf dem Weg zu den bretagnischen Inseln. Und von dort aus dann weiter nach Aber Wrach (bei Brest) in den Heimathafen. Zwar wollte ich urspruenglich in den Sueden, aber das spielte eigentlich keine Rolle.
Beeindruckend waren wirklich die Menschen an Bord! Die Besatzung bestand aus etwa 12 Personen, mit mir drei Frauen. Ausserdem hatten wir Passagiere an Bord (ja, normalerweise muss man fuer die Ueberfahrten bezahlen, aber ich war eingeladen), die das Schiff aber nach zwei Tagen wieder verliessen. Tja, und so wurde ich zur Seglerin, half wo ich konnte und durfte sogar fuer zwei, drei Stunden ans Ruder. Eigentlich ist das Steuern selbst ueberraschend einfach: Ruder, Kompass und eine Anzeige fuer den eingeschlagenen Winkel sind alles, was es zu beachten galt. Zumindest abseits von Felsen und unter Kontrolle des Radars natuerlich.
Ich bin auf diesem Schiff unglaublich offen und freundlich aufgenommen worden. Das ist etwas sehr besonderes fuer mich gewesen, weil diese Menschen mir zwar einerseits fremd waren, wir andererseits aber viel Zeit und wenig Raum miteinander geteilt haben. Der Grundsatz lautete, dass jeder sein konnte wie er wollte, dass niemand verppflichtet war, etwas zu tun oder zu lassen, dass es keine klare Hierarchie gab oder Prinzipien, dass aber schlussendlich alle durch die gemeinsame Aufgabe miteinander verbunden waren, ein Schiff zu navigieren. Egal wie verrueckt jeder Einzelne auch sein mochte, im Notfall war auf jeden Verlass! Dieser "Geist" hat mich sehr fasziniert und mir ein Zugehoerigkeitsgefuehl vermittelt, das mir neu war. Schliesslich stellt die Sprache etwas wie meine "Behinderung" dar, doch ich habe erfahren, dass fuer Verstaendnis nur wenige Worte noetig sind.
Umso schwerer fiel mir der Abschied gestern. Die Rara Avis liegt nun in Aber Wrach und wird ueberholt. Konkret bedeutet das viel, viel harte Arbeit, denn das Schiff wird foermlich auseinander genommen, repariert, abgeschliffen (per Hand!), lackiert und gestrichen, Oel wird gewechselt, der Motor repariert, Segel geflickt, Balken ausgetauscht und so weiter... Seltsamerweise macht diese Arbeit aber Spass, weil alle mit anpacken und man am Ende ein frisches und schoenes Schiff hat, mit dem man erneut in See stechen kann.
Ich fuer meinen Teil habe mich wieder in einen Zug gesetzt und bin gestern Abend in Bordeaux angekommen. Meine Reise geht schliesslich weiter. Aber diese paar Tage an Bord gehoeren zweifellos zu den grossartigsten Dingen, die ich je erlebt habe...
miss_natascha - 18. Sep, 14:12
