Donnerstag, 18. September 2008

Unter den Seglern

Erst einmal vielen Dank fuer eure lieben Gruesse und Gedanken! Ich habe erst seit Kurzem wieder einen Handyempfang und sitze erstmalig wieder an einem Computer. Es geht mir gut, soviel vorweg, und ich werde versuchen, davon zu berichten, was mir passiert ist.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich nicht die leisesten Erwartungen hatte. Saint Malo ist wirklich ein suesser Ort gewesen und ich habe meine Spaziergaenge dort sehr genossen. Nun wollte ich mich auf den Weg in den Sueden machen und hatte eigentlich vorgehabt, mit meinem Rucksack zum Bahnhof zu gehen. Statt dessen machte ich aber noch einen kleinen Abstecher an den Hafen, um mir die Schiffe anzusehen. Beispielsweise lag dort die Rara Avis vor Anker, ein 37 Meter langes, dreimastiges Segelschiff mit junger Besatzung, von denen mich einige an Deck einluden, mir das Schiff anzusehen. Also kletterte ich spontan an Bord und bekam Kojen, Maschinenraum, Kueche, Taue und Segel gezeigt. Nebenbei: Ganz offensichtlich sind Schiffe maennliche Konstruktionen! Alles, jede Schraube, jedes Seil, jeder noch so kleine Gegenstand hat eine praktische Funktion. Nichts, aber auch gar nichts an Bord ist einfach nur da, weil es huebsch ist! Aber das nur nebenbei.
Ich erfuhr, dass die Rara Avis ein Schulschiff war und der Grossteil der Besatzung an Bord war, um das Segeln zu lernen. Urspruenglich war das Schiff eine Resozialisierungsmoeglichkeit fuer kriminelle Jugendliche, aber mittlerweile durften auch bereits sozialisierte Menschen mitfahren ;-) Und weil die Geschichten so interessant waren und ich nichts Besseres zu tun hatte, blieb ich zum Mittagessen. Und zum Abendessen. Und anschliessend auf einen Besuch in einer Bar. Und als dann irgendwann der Kapitaen an Bord kam und um Erlaubnis gefragt war, lief ich am naechsten Tag mit aus. Ganz ploetzlich hatte ich eine Koje an Bord (eine "grosse", ganz fuer mich allein! Weil ich ein Maedchen bin *g*) und war auf dem Weg zu den bretagnischen Inseln. Und von dort aus dann weiter nach Aber Wrach (bei Brest) in den Heimathafen. Zwar wollte ich urspruenglich in den Sueden, aber das spielte eigentlich keine Rolle.

Beeindruckend waren wirklich die Menschen an Bord! Die Besatzung bestand aus etwa 12 Personen, mit mir drei Frauen. Ausserdem hatten wir Passagiere an Bord (ja, normalerweise muss man fuer die Ueberfahrten bezahlen, aber ich war eingeladen), die das Schiff aber nach zwei Tagen wieder verliessen. Tja, und so wurde ich zur Seglerin, half wo ich konnte und durfte sogar fuer zwei, drei Stunden ans Ruder. Eigentlich ist das Steuern selbst ueberraschend einfach: Ruder, Kompass und eine Anzeige fuer den eingeschlagenen Winkel sind alles, was es zu beachten galt. Zumindest abseits von Felsen und unter Kontrolle des Radars natuerlich.

Ich bin auf diesem Schiff unglaublich offen und freundlich aufgenommen worden. Das ist etwas sehr besonderes fuer mich gewesen, weil diese Menschen mir zwar einerseits fremd waren, wir andererseits aber viel Zeit und wenig Raum miteinander geteilt haben. Der Grundsatz lautete, dass jeder sein konnte wie er wollte, dass niemand verppflichtet war, etwas zu tun oder zu lassen, dass es keine klare Hierarchie gab oder Prinzipien, dass aber schlussendlich alle durch die gemeinsame Aufgabe miteinander verbunden waren, ein Schiff zu navigieren. Egal wie verrueckt jeder Einzelne auch sein mochte, im Notfall war auf jeden Verlass! Dieser "Geist" hat mich sehr fasziniert und mir ein Zugehoerigkeitsgefuehl vermittelt, das mir neu war. Schliesslich stellt die Sprache etwas wie meine "Behinderung" dar, doch ich habe erfahren, dass fuer Verstaendnis nur wenige Worte noetig sind.

Umso schwerer fiel mir der Abschied gestern. Die Rara Avis liegt nun in Aber Wrach und wird ueberholt. Konkret bedeutet das viel, viel harte Arbeit, denn das Schiff wird foermlich auseinander genommen, repariert, abgeschliffen (per Hand!), lackiert und gestrichen, Oel wird gewechselt, der Motor repariert, Segel geflickt, Balken ausgetauscht und so weiter... Seltsamerweise macht diese Arbeit aber Spass, weil alle mit anpacken und man am Ende ein frisches und schoenes Schiff hat, mit dem man erneut in See stechen kann.

Ich fuer meinen Teil habe mich wieder in einen Zug gesetzt und bin gestern Abend in Bordeaux angekommen. Meine Reise geht schliesslich weiter. Aber diese paar Tage an Bord gehoeren zweifellos zu den grossartigsten Dingen, die ich je erlebt habe...

Donnerstag, 11. September 2008

Ein Tag in Saint Malo

Viele Einwohner kann dieser kleine Fischerort nicht haben, aber die meisten von ihnen koennen Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg erzaehlen - und manche wohl sogar noch aus dem ersten ;-) Alles dreht sich um den Hafen, Schiffe, Boote und die Marine. Viele kleine Museen halten die Erinnerung an das braune Reich aufrecht und ich wuesste keinen Ort, an dem ich bisher mehr Swastiken gesehen habe...
Als ich gestern in dem kleinen Beiboot sass und der Mann vor mir aus Leibeskraeften ruderte, dachte ich fuer einen Moment: "Hey, so fuehlt es sich also an, entfuehrt zu werden!" Ich sagte es ihm und er nickte und lachte hoeflich. Natuerlich sprach er kein Wort deutsch. Wir padelten zu seinem kleinen Fischerboot, der Beluga, und er zeigte mir stolz ihren Motor und seine Angelausruestung. Ehrlich gesagt bestand letztere aus langer; durchsichtiger Schnur und ein paar Haken, aber ich sollte im Laufe des Ausflugs noch sehen, was sich damit alles anstellen liess. Meine verbrannte Nase belegt, dass es trotz Wind sehr sonnig war. Ich war an Bord natuerlich voll eingebunden, mit dem Festhalten der Angelschnur beispielsweise oder dem Navigieren wenn der Kapitaen in der Kajuete mit dem Praeparieren weiterer Koeder beschaeftigt war. Ob die Fahrt nun erfolgreich war oder nicht kann ich nicht sagen, aber am Ende hatten wir einen Eimer voller Fische und Oktopusse gefangen. Sein Angebot, mir als Tagessold einen der Fische auszusuchen lehnte ich dankend ab. Meine Nahrung kommt aus dem Supermarkt, was soll ich mit einem Fisch anstellen? Kurz bevor er mich wieder mit dem Beiboot absetzte, wurden wir Zeuge des Ereignisses, das wohl die regionale Presse die naechsten Wochen auf Seite eins bringen wird: Ein Militaer-U-Boot wurde von Schleppern aus dem Hafen gezogen und wir fuhren naeher heran um das Spektakel zu sehen. Ploetzlich riss eines der Taue an Bord aus seiner Verankerung und einige der Maenner stuerzten, geraeuschvoll gegen den Rumpf schlagend. Unter viel Aufregung kam ihnen an Bord erste Hilfe zuteil, bevor sie ins naheliegende Krankenhaus gebracht wurden. (Hey, vielleicht sollte ich meine Bilder der lokalen Presse zur Verfuegung stellen ;-) Naja, so habt ihr sie eben exklusiv!)

Dienstag, 9. September 2008

Saint Malo

So interessant Paris ist, so hektisch ist es auch. Deshalb bin ich vor wenigen Stunden in der Bretagne angekommen, genauer geagt in einem verschlafenen kleinen Ort namens Saint Malo. Ich gruesse euch alle ganz herzlich von dort aus ;-)

Montag, 8. September 2008

Paris

Die franzoesische Tastatur und ich kommen noch nicht besonders gut klar, Paris und ich verstehen uns aber dafuer sehr gut! Ich kann nun eine gewisse Parisliebe nachvollziehen, denn die Stadt hat wirklich ein aussergewoehnliches Flair...!

Ich lasse mich durch die Starssen und Gassen treiben, ueber die Bruecken und in Hinterhoefe. Vor allem die Freundlichkeit, mit der mir die Menschen hier begegnen, gibt mir das Gefuehl, in dieser grossen Stadt nicht verloren zu gehen. Die Sprache ist eine gewisse Barriere und ich wuenschte, sie zu beherrschen. Daran arbeite ich fleissig! Aber entgegen aller Geruechte bemuehen sich die Leute hier sehr um Verstaendigung, mit englischen Fetzen, Haenden und Fuessen. Sogar eine Omi an der Bushaltestelle hat versucht, mir den Weg zu erklaeren, nachdem ich lediglich etwas fragend geguckt habe. Auffaellig ist, dass in dieser Stadt Zebrastreifen mit Fussgaengerampeln kombiniert werden. Beides ist fuer den Verkehr aber ohne jegliche Bedeutung ;-)

Etwas zieht mich ans Meer und so denke ich, dass ich in den naechsten Tagen in die Britagne fahren werde. Vielleicht sehe ich mir unterwegs noch Versailles an.
Viele deutsche Gruesse aus Paris!

Donnerstag, 4. September 2008

Erste Septembertage/Letzte Tage

Weil diese Massen-Emails, in denen die Adresszeilen länger sind als die eigentliche Nachricht, irgendwie lästig sind, werde ich versuchen, euch auf diese Weise auf dem Laufenden zu halten. Natürlich immer gesetzt den Fall, dass mich die Technik nicht überfordert ;-)

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